Dienstag, 28. Juni 2011

Mein Tagesablauf

Aus verschiedenen Gründen ist die Personalleitung von Mercy Ships auf die Idee gekommen es sei hilfreich zu wissen was OP Pfleger machen, wie lange es dauert und ob es auf die Job Beschreibung zutrifft, um daran zu sehen um wie viele Pflegekräfte sie in der Zukunft werben müssen. Nach etwas Meckern nach Deutscher Art habe ich mich dann entschlossen aus dieser Idee einen Blogeintrag zu machen. Ich werde hier einen normalen Arbeitstag detailliert beschreiben um euch einen besseren Eindruck zu geben wie es hier so ist:

Montag 6 Uhr in der Frühe, mein Handy gibt die ersten Töne eines Liedes wieder das ich seit Jahren als Weckruf habe und nun so darauf trainiert bin das ich nach ein Paar Klaviernoten Aufwache und schnell die AUS Taste drücke um Jeff, meinen guten Freund aus Kanada der über mir schläft, nicht auf zu wecken. Obwohl die vierte Ebene der Africa Mercy viele Fenster hat, unsere 4 Bett Kabine hat keins und so nutze ich das Licht meines Handys um mein Handtuch und meine Wäsche für den Morgen zu finden und öffne dann leise den Vorhang unseres Kabinenabschnitts um ins Badezimmer zu huschen, bevor jemand anders schneller auf die Idee kommt.
Nach einer 2 Minuten Schiffsdusche, höre ich durch Geschlossene Tür, während ich mich Rasiere, wie der Alarm von Jeff seit etwa einer Minute klingelt. Fertig angezogen und frisch für den Tag ;) gehe ich etwa um 6:15 Uhr, wie besprochen zurück zu meinem Bett und schalte das große Deckenlicht an das direkt über Jeff's Bett ist und zwicke ihn dann in die Nase so das er aufspringt, fast seinen Kopf gegen die Decke stößt, aber nun auch wach ist und nicht verschläft, dann nehme ich meine Wasserflasche und meine Bibel und setze mich an den Tisch auf Deck 7, an dem Melanie und ich jeden Tag frühstücken. Obwohl Melanie erst um 6:45 Uhr mit selbstgemachtem Müsli, frischem Kaffee und antimalaria Medizin kommt, muss ich für diese halbe Stunde "unseren" Tisch reservieren, da er durch super Blick auf die aufgehende Sonne, sehr begehrt und umstritten ist. Außerdem nutze ich die Zeit um zu Beten und vor Gott still zu sein.
Sobald Melanie an unserem Tisch angekommen ist, haben wir wahrscheinlich die ungestörtteste halbe Stunde an diesem Tag, in der wir Frühstücken und zusammen den Tag im Gebet Jesus in seine Hände legen. Um 7:25 Uhr laufe ich dann schnell zum Dining Room um unser Geschirr ab zu geben und muss mich dann noch schneller um ziehen um in meine Arbeitklamotten zu hüpfen.

Meine Arbeitbekleidung besteht aus einer Kopfbedeckung, einem Kasack und einer Kasackhose im kräftigem Blau, viel zu weit aber bei Auswahl einer kleineren Größe viel zu kurz! Und Schuhe aus Gummi die abwaschbar sind und oben keine Löcher haben damit Dinge vom OP Feld nicht an mir runter auf meine Füße fallen/tropfen.

Um 7:30 Uhr Beginnt dann ein Meeting der Ganzen Besatzung in der International Lounge um ein paar Lobpreislieder zu singen, Informationen aus zu tauschen, neue Leute zu begrüßen und auch Crew zu verabschieden die diese Woche nach Hause fliegen.
Um 8 Uhr Trifft sich dann das OP Team im OP Flur um das selbe noch ein mal, OP bezogen zu tun und für den Tag zu beten.

Arbeit
Je nach dem in welchem Raum ich an diesem Tag arbeite, muss ich dann diesen vorbereiten und auf den OP Plan schauen was mich als erstes erwartet um diese OP dann mit meinen Kollegen vor zu bereiten, das heisst alle Instrumente und sterile Materialien zusammen suchen und auf den OP Tisch öffnen. Wenn es eine Leitung für den bestimmten Raum gibt, teilt diese uns ein, in Springer oder Steher (Circulater - Scrub). Nachdem wir alles vorbereitet haben warten wir auf das grüne Licht der Anästhesie, so dass wir die Pflegestationen anrufen können um den Patienten kommen zu lassen. Falls ich für die Steher Aufgabe eingeteilt bin, muss ich nun auf die OP vorbereiten. Als erstes gehe ich noch ein mal aufs Klo, denn selbst wenn etwas kleines eingeplant ist, weiss man doch nie was alles passieren kann... Dann setze ich Schutzbrille und Gesichtsmaske auf, welche ich mit einem Klebestreifen versiegeln muss da meine Nase zu groß ist :)
Nach einer etwa 5 Minütigen chirurgischen Händedesinfektion kleide ich mich dann mit sterilem Kittel und Sterilen Handschuhen, um mein OP Instrumentar gemäß der geplanten OP und den Bevorzugungen des Chirurgs vor zu bereiten. Nachdem der Patient seine Anästhesie bekommt und zur OP vorbereitet wurde decke ich ihn mit OP Tüchern ab und sobald der Chirurg da ist beginnt die OP und ich muss ihm Assestieren und Instrumentieren. Klingt simpel, jedoch diesen Vorgang im Detail zu beschreiben, würde ein Buch für sich machen.
Falls ich der Springer bin bedeutet das das ich den OP von der Unsterilen Seite bediene, den Patienten Einschleuse, alle Checklisten und Zählungen mache und aufmerksam die Operation verfolge um alle im Raum mit dem richtigem Materialien und Medikamenten zu versorgen.
Zwischen den Operationen müssen wir alle benutzten Flächen desinfizieren, den Fußboden wischen und wieder alles für die nächste OP vorbereiten. Falls eine OP über die Mittags-Mahlzeit des Dining Rooms geht (11:30 - 13:00) haben wir die Möglichkeit vom OP aus die Küche an zu rufen und unsere Mahlzeit zurückstellen zu lassen, so das wir wenn wir fertig sind unsere halbe Stunde Pause dann mit einer warmen Mahlzeit haben können. Je nach dem ob wir genug Personal haben, so das wir nach 8 Stunden Arbeit abgelöst werden können, verlassen wir dann unseren Arbeitsplatz oder arbeiten so lange bis unsere Liste an Patienten abgearbeitet ist und jeder seine OP bekommen hat.
Nach Arbeitschluss um etwa 17:00 Uhr ziehe ich mich schnell um und erledige Kleinigkeiten des Tages. Falls Melanie und ich früher abgelöst wurden gehen wir manchmal spazieren um etwas Sonnenlicht ins Gesicht zu bekommen, da der OP ohne Fenster ist und so auch meine Kabiene. Die Abendessenszeit des Dining Rooms ist von 17:00 bis 18:30 Uhr und wir versuchen auch dann zu unserem Tisch auf Deck 7 zu gehen um dort unser Abendbrot und den Sonnenuntergang zu genießen.

Unser Tisch &

der Sonnenuntergang



Nach dem Abendbrot Haben Melanie und ich Montagabend unterschiedliche Hauskreise, Melanie mit ein paar anderen Frauen und ich habe eine Männergruppe mit der ich mich von 19 Uhr für 2 Stunden treffe und wir lesen in der Bibel, reden darüber wie unsere Woche war und beten für verschiedene Anliegen. Falls es nicht Montagabend ist sitzen Melanie und ich meistens zusammen und Planen unsere Hochzeit und unseren weiteren Weg nach Sierra Leone, dies benötigt ein Haufen Zeit da wir alles über Internet und E-Mail machen.
Nach meinem Hauskreis sage ich schnell Melanie gute Nacht und versuche dann um etwa 22 Uhr im Bett zu sein was meistens nicht klappt. Viele Leute hier sagen das sie mehr Schlaf brauchen als zu Hause, was verständlich ist da wir in einem anderem Kontinent leben und arbeiten und dazu noch auf einem Schiff das rund um die Uhr Generatoren laufen hat und sich mit der Strömung und den Wellen bewegt. So ist es immer wichtig das wir unsere Wochenenden so einplanen das wir so viel wie möglich weg vom Schiff sind und entspannen können.



Gut das Sierra Leone Traumstrände hat und wir auch einen Hotelpool gefunden haben an dem wir uns entspannen können.



Dies war einer meiner Tage hier auf der Africa Mercy etwas mehr detailliert beschrieben. Als ich das erste mal im Januar 2009 auf das Schiff kam hatte ich viel mehr Zeit als normalerweise, ich muss mich nicht ums Essen kümmern, die Entfernung meines Arbeitsplatzes ist ein paar Treppenstufen runter und alles was ich zum Leben brauche ist auf diesem Schiff. Doch über die Jahre häufen sich Beziehung und Anspruch, so das ich in vielen Dingen aufpassen muss das ich genug Ruhe- und Freizeit bekomme und auch meinen Körper Erfrischunggen gönne. Im Durchschnitt würde ich sagen das wir mehr arbeiten als in einem Bezahlten Job zu Hause und das die Körperlichen Ansprüche höher sind durch unser Umfeld und das Klima und so ist es ein Großer Segen den anderen Teil der Schiffsbesatzung zu haben der nicht Medizinisch arbeitet, jedoch dafür sorgt das alles rund läuft, das wir immer genug haben, es uns gut geht, wir in Sicherheit sind und auch unsere Seele in ordnung ist.

Ich Danke allen meinen Unterstützern die es möglich machen das ich immer noch hier bin und genauso allen die für mich beten. Es ist so wichtig zu wissen das Menschen hinter dem stehen was ich hier tue. Ich bin Gott dakbar für meine Gesundheit und seine Versorgung in jeder Form.
Liebe Grüße aus Freetown Sierra Leone.
Euer Michel

Samstag, 11. Juni 2011

Foto Blog

Hallo liebe Leser,
die Zeit vergeht so schnell und ich möchte doch mal wieder etwas schreiben. Wir haben gerade ein 3 Tage Wochenende, jedoch bin ich heute ans Schiff gebunden da ich Bereitschaftsdienst habe. Macht nichts denn wenn ich aus dem Fenster gucke und den Regen gegen das Fenster prasseln sehe freue ich mich das ich nicht zum Strand gefahren bin! Die letzten 2 Wochen habe ich wieder mit Dr. Glenn Strauss im Augen Op gearbeitet und ihm geholfen eine Studie an seiner Operationstechnik zu machen. Mit der Unterstützung von einem Computer und einem speziell entwickeltem Instrument, zum aufzeichnen seiner OP's im Bezug auf Druck und Winkel seiner Bewegungen, so das daraus später ein Op Simulator gebaut werden kann der zur Verbesserung der Behandlung von Patienten gerade in Dritte Welt Ländern dienen wird. Naja ist ziemlich interessant, jedoch wahrscheinlich nicht für viele Leute die diesen Blog lesen. Es ist auf jeden Fall eine riesen Ehre das ich dabei sein darf und es ist auch eine Freude wieder mit Dr. Genn zu arbeiten, an dessen Seite ich ja meine ersten OP Erfahrungen gemacht habe und ihm habe ich sehr viel zu verdanken.
Wenn du auf diesen Link klickst, (http://www.youtube.com/watch?v=CJV1IXed9S0) siest du ein gutes Video das viel von dem erklärt was wir auch hier in Freetown machen, wir haben lokale Pflegekräfte und Ärzte die wir an Bord unterrichten, so dass mehr Menschen, auch nach dem Mercy Ships das Land verlässt, bessere Behandlungen bekommen.

Hier ein paar neue Bilder:

Unser schöner Dockplatz :)

Wir wahren Gestern auf einem Berg um dort den Tag an einem Hotel Pool zu genießen und hatten dort eine gute Sicht auf den Sonnenuntergang und Freetown. Es gibt einige Gebiete in dieser Stadt die total anders aussehen, andere Gebäude die nicht vom Krieg betroffen wurden.



Blick auf die Stadt durch den Stacheldraht des Hotels.