endlich habe ich Internet zugang und kann mich melden
Ich bin gut in Serria Leone angekommen und schwitze mir jeden ml raus. Nach 2 Tagen Reise sind wir in Freetown mit dem Flugzeug angekommen, mussten dann noch über eine Stunde auf ein Wassertaxi warten und sind dann spät abends in unserer Unterkunft angekommen. In manchen räumen gibt es AC, in meinem zimmer jedoch nicht also schlafe ich bei 31°C mit zwei anderen Männern.
Die Stadt ist der Wahnsinn, für eine Entfernung von 5 km brauchen wir mit dem Kleinbus 1 stunde. Sierra Leone ist vielen bekannt aus dem Film “Blood Diamond” und auch der Film “La Amistad” zeigt ein gutes Bild der Geschichte dieses Landes. Serria Leone ist zerrüttet von einem 10 Jahre anhaltenden Bürgerkrieg mit den schlimmsten nur vorstellbaren Kriegsverbrechen, zu hören und zu lernen was in diesem Land vorgegangen ist, denkt man an Hölle und zur gleichen Zeit guckt man auf die weißen Strände und in die Gesichter der Menschen und denkt an Paradies. Der Krieg tobte hier von 1991 bis 2002 und müsste ganze Bücher füllen und könnte diese Nachricht Seitenweise mit Schock, Horror, Wut und Angst füllen, doch wer mehr darüber wissen möchte kann sich gern selber informieren denn ich werde versuchen mich auf die guten Dinge zu konzentrieren.
Im Vergleich zu Benin und Togo sind die Serria Leoniens sehr freundlich und hilfsbereit und obwohl Sierra Leone sehr viel ärmer ist, fühle ich mich hier sicherer. Überall ist der Name „Mercy Ships“ bekannt und akzeptiert und tausende warten schon sehnsüchtig auf die Africa Mercy und die Medizinische Hilfe die das Schiff bringen wird aber auch die Hilfe die wir im Land selber bringen werden. In unserer Gruppe ist ein älterer Herr der vor 7 Jahren mit Mercy Ships in Sierra Leone war und mit betrübtem Gesicht feststellt das sich seit dem nicht viel verändert hat, nur alles voller und verrückter aussieht.
Wir haben schon die Arbeit am Hospetaletycenter angefangen und auch im Waisenhaus geht es schon gut voran. Nach einer Woche Arbeit Sind Wände Gestrichen, Räumlichkeiten aufgebaut und Kabel verlegt so das das Große Gebäude in der nähe des Hafens etwa 100 Patienten versorgen kann. Ich bin in der Elektrik eingeteilt und so bohren und schrauben wir in der Hitze und müssen uns gegenseitig ans trinken erinnern da wir bei der kleinsten Bewegung anfangen zu Schwitzen. Es gab leider schon 2 Zwischenfälle mit Kollabieren wegen Hitze in unserer Gruppe und so sind alle sehr vorsichtig, gehen es langsamer an als in den ersten Tagen und passen gegenseitig auf einander auf das auch ja getrunken wird. Die Lage dieses Landes ist wirklich schlecht, auch wenn die Menschen im Vergleich zu den Verhältnissen während des Kriegs zufrieden sind. So fühlt es sich gut an dieses Gebäude zu renovieren und dann im Dezember, wenn das Schiff ablegt, dem Land zu hinterlassen. Wenn ich durch die Straßen von Freetown fahre, den Verkehr, die Häuser sehe, ertappe ich mich immer wieder wie ich mir vorstelle alles so zu verändern wie ich es für richtig halte und wie ich es gewohnt bin. Ich würde Häuser einreißen so das die Straße die vierfache Breite bekäme und so weiter. Doch dann wenn wir unsere Gruppentreffen am Abend haben bekommen wir ein größeres Bild von der Arbeit die wir hier tun. Es geht hier in Freetown bei meiner Arbeit nicht darum etwas zu investieren, aufzubauen, operieren und dann wieder ab zu hauen, sondern darum mit allem was ich bin und mache eine Veränderung in das Verständnis der Leute hier zu bringen so das sie angeregt werden zu überlegen, was sie tun könnten um dieses Land wieder auf zu bauen und wie sie mit einander umgehen können um sich gegenseitig wieder auf zu helfen. Die ersten Reaktionen dieser Art sehe ich in den Gesichtern der Menschen an der Straße die uns jeden Morgen lächelnd, singend, eingepfercht wie Sardinen in 2 kleine Busse zur Arbeit fahren sehen und am Abend, dreckig, verschwitzt, aufgeschürft und müde zurück in unsere Unterkunft. Oder die Leute um unseren Arbeitsplatz, in den anderen Häusern arbeiten, oder die Anwohner der Blechhütten am Vermüllten Strand, die uns jeden morgen beim Lobpreis und Gebet hören und gleich danach gehen die Generatoren an und das bohren und hämmern geht los und ab März werden dann auch Patienten, deren angehörige und Bekannte, ganz praktisch durch Lebens verändernde OPs dazu angeregt zu fragen was der Grund für all dies ist... und nein es ist nicht Veranlagte Hilfsbereitschaft, Wiedergutmachung oder Verpflichtung, sondern der Glauben an Jesus Christus und das folgen seines über 2000 Jahre altes Vorbildes aus liebe und Überzeugung.
Michel